9. Nov. Interview mit Alexander Wassermann, seit 20 Jahren Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Dessau

Herr Wassermann was bedeutet der 9. November für Sie?

Heute ist ein besonderer Tag für mich und unsere Gemeinde hier in Dessau, wir feiern die Zukunft. Gestern haben wir den Grundstein für unsere neue Synagoge gelegt. Es ist die erste Synagoge in Dessau seit 81 Jahren. Früher gab es hier mal eine ganz besondere Synagoge. Nationalsozialisten haben sie am 9. November 1938 niedergebrannt. Seitdem wurde sie nicht wiederaufgebaut, obwohl Dessau in der Vergangenheit ein wichtiges Jüdisches Zentrum in Deutschland war.

Wie ist die Lage bei Ihnen und Ihrer Gemeinde in Dessau?

Unsere Gemeinde erhält viele schlechte Briefe mit Drohungen und Hakenkreuzen. Die Lage ist schwierig, wir haben Angst – seit Kurzem bekommen wir Polizeischutz. Aber wir trauen uns trotzdem, zu hoffen.

Was erwarten Sie von der Gesellschaft?

Ich habe Vertrauen in die Gesellschaft. Ohne Vertrauen geht es nicht. Ich möchte, dass das jüdische Leben in dieser Stadt weitergeht. Das geht nur, wenn alle - egal welcher Religion - gegen die AfD und die Rechtsextremen zusammenhalten. Wir treffen uns mit Vertretern der katholischen, der evangelischen und der muslimischen Gemeinden, wir arbeiten zusammen. Der Austausch ist wichtig.