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Antimuslimischer Rassismus muss auch in der Medienbranche ernst genommen werden

Antimuslimische Stereotype sind in vielen Redaktionen gang und gäbe. Was es heißt, als sichtbare Muslimin und Journalist*in selbst damit konfrontiert zu sein und warum es trotzdem wichtig ist, den Weg in die Redaktionen zu gehen, hat uns Nour Khelifi erzählt. Außerdem sprach sie mit uns über die österreichische „Islamkarte“ und die Botschaft, die davon in Richtung Gesellschaft und Muslim*innen ausgeht.

Was sind deine Erfahrungen als Journalistin und sichtbare Muslimin in Deutschland und Österreich?

Wenn ich in Redaktionen oder Pressekonferenzen ankam, wurde ich oft für ein Mitglied der Catering-Crew oder für eine Putzkraft gehalten. Es schien klar zu sein, dass ich keine Journalistin sein kann. Das sagt schon einiges über den Zustand in den Redaktionen & wie Journalist*innen anscheinend auszusehen haben. Bei der Berichterstattung wurde mir bei bestimmten Themen manchmal Neutralität & Objektivität abgesprochen.

 

Die Medienbranche bringt auf jeden Fall eine eurozentrische Deutungshoheit mit sich, die als vermeintliche Neutralität verstanden wird. Als Frau und sichtbare Muslimin war es für mich schon schwer, mich in dieses Territorium zu begeben – und das, obwohl meine Eltern beide Akademiker*innen sind. Als Muslim*in und Arbeiter*innen-Kind muss das noch schwerer sein.

 

Was könnten erste Schritte sein, um die Situation zu verbessern?

Es braucht dringend mehr BIPoC´s und generell mehr Diversität in den Medien. Sonst werden sich auch die beständigen Narrative z.B. über Muslim*innen nicht ändern. Wenn wir diese Vorarbeit nicht leisten, werden sich auch die Narrative nicht ändern & wenig, bis kein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden. Aber man sollte nicht glauben, dass einen in den Redaktionen alle mit offenen Armen empfangen werden. Vor allem als sichtbare muslimische Frau muss man mental darauf vorbereitet sein, dass es hart und unfair wird. Ich glaube, es kann auch eine gute Strategie sein, sich das klar zu machen, damit einen die Erfahrungen nicht zu sehr treffen.

Wie nimmst du den antimuslimischen Rassismus in Österreich wahr?

Muslim*innen wachsen mit antimuslimischem Rassismus auf – auch in Österreich. Immer wieder werden Muslim*innen unter einen Generalverdacht gestellt, gegen den sie sich ständig verteidigen müssen. Das kostet viel Kraft, die dann nicht mehr anderweitig eingesetzt werden kann.

Ich habe das Gefühl, dass die Situation in Österreich auch nochmal dramatischer ist als in Deutschland. Jüngstes Beispiel dafür ist für mich die „Islam-Landkarte“. Es ist, als würde eine ganze Bevölkerung dazu aufgerufen werden, Muslim*innen zu beobachten & zu kriminalisieren.

Die Angriffe auf Muslim*innen steigen alarmierend in Österreich. Deswegen muss antimuslimischer Rassismus politisch auch endlich ernstgenommen & nicht nur als Randphänomen oder „Befindlichkeit“ betrachtet werden. 

 

 

 

Nour Khelifi @_nour.khelifi_ ist Journalistin, Drehbuchautorin, Speakerin und Online Content Creatorin in Berlin und Wien. Sie arbeitet u.a für den ORF, die Wiener Zeitung, Yahoo Germany und war Headautorin der Datteltäter von 2017 bis 2020. Khelifi beschäftigt sich mit der österreichischen Politik, deutsch-österreichischer Gesellschaftspolitik, sowie Diversität, Repräsentation, Identität und Jugendpolitik. Nour Khelifi  ist u.a zweifach mit dem deutschen Grimmepreis, sowie mit 22 Jahren zu den besten 30 Journalisten unter 30 in Österreich ausgezeichnet worden.