Im Gespräch mit... Susanna Steinbach von der Türkischen Gemeinde in Deutschland e.V.

Seit dem 1. Januar 2020 sind wir für die kommenden 5 Jahre als ndo Teil des Kompetenznetzwerks „Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft“ im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert durch das BMFSFJ. In Form von Kompetenzzentren und -netzwerken zu einzelnen Themenfeldern wird die Zusammenarbeit von zivilgesellschaftlichen Organisationen bundesweit gestärkt. Als Kompetenznetzwerk wollen wir das Zusammenleben in einer offenen Gesellschaft in Vielfalt durch die Entwicklung eines inklusiven Selbstverständnisses als Migrationsgesellschaft und Einwanderungsland fördern und gestalten.

Wir möchten euch die vier anderen Träger des Kompetenznetzwerks (TGD, BVRE, GVFD, SKS) vorstellen. Heute sprechen wir mit Susanna Steinbach, Bundesgeschäftsführerin der Türkischen Gemeinde in Deutschland e.V. und ndo-Vorstandsmitglied:

 

Liebe Susanna, die TGD war ja schon vor 2020 im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ angesiedelt. Neu seit dieser Förderperiode ist die Struktur mit den Kompetenznetzwerken und -zentren zu unterschiedlichen Themenfeldern. Was ist nun anders und wo liegen aus deiner Sicht die Vorteile?
Im Vergleich zur vorherigen Förderperiode sehe ich es als großen Vorteil, dass wir als TGD nicht mehr so alleine arbeiten, sondern schon aufgrund der neuen Projektstruktur im ständigen Austausch mit anderen Trägern stehen. Es ist toll, in so einem vielfältigen und wahnsinnig kompetenten, festen Netzwerk zusammenzuarbeiten! Jede Organisation von uns bringt ganz unterschiedliches Wissen und Erfahrungen mit und auch unsere internen Strukturen sind sehr unterschiedlich. Das Kompetenznetzwerk bündelt unsere Expertisen und macht sie für einen größeren Kreis an Menschen und Organisationen nutzbar: Multiplikator*innen und Träger der Jugendhilfe etwa, oder die sogenannte bewegliche Mitte der Gesellschaft – also Menschen, die nicht per se davon überzeugt sind, dass die Vielfalt unserer Gesellschaft eine große Bereicherung darstellt. Das ist für uns als TGD eine Neuerung, denn die letzten 5 Jahre haben wir vor allem migrantische Organisationen beraten und qualifiziert.

Wie siehst du die Rolle der TGD innerhalb des Kompetenznetzwerks? Welche Maßnahmen werdet ihr in den nächsten 5 Jahren umsetzen bzw. wo liegt euer Fokus?
Ich sehe uns als TGD in einer Art Doppelrolle. Zum einen planen wir natürlich unsere „eigenen“ Maßnahmen bis Ende 2024. Ein Schwerpunkt liegt für uns dabei auf der Beobachtung und Analyse der relevanten Gremien in der Kinder- und Jugendhilfe hinsichtlich der Frage, inwiefern hier diversitätssensible Perspektiven vertreten sind. Wir erstellen u.a. einen Gremienatlas, der als Orientierung für Menschen dienen soll, die sich in diesem Bereich und auch im Hinblick auf Mandate und offizielle Funktionen engagieren möchten. Gleichzeitig sind wir für die Koordinierung des Kompetenznetzwerkes zuständig. Wir behalten den Gesamtüberblick und koordinieren die gemeinsamen Aktivitäten. Da wir ähnliche Netzwerk- und Koordinationsarbeit seit einigen Jahren z.B. im Rahmen der Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (BKMO) übernehmen, ist uns diese Rolle nicht fremd und wir freuen uns darauf!

Wir als ndo sind nun ganz neu dabei im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und gemeinsam mit euch im Kompetenznetzwerk „Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft“. Wo siehst du die Stärken der ndo bzw. inwiefern können wir das Kompetenznetzwerk bereichern?
Ich sage immer, dass die ndo und klassische Migrant*innenorganisationen zwei Seiten derselben Medaille sind. Wir versuchen uns beide politisch für die Themen der Einwanderungsgesellschaft einzusetzen – nähern uns dem Thema aber aus einer anderen Perspektive und Methodik. Für mich stehen die ndo für ganz viel Power und Dynamik, das spüre ich vor allem immer beim jährlichen Bundeskongress. Das liegt auch daran, dass die ndo sehr viele junge Menschen aus den unterschiedlichsten Communities und Kontexten erreichen. Zusammen mit eurer Expertise im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, über euer Netzwerkmitglied „Neue deutsche Medienmacher*innen“, der Datenbank Vielfaltfinder u.v.m. seid ihr eine große Bereicherung für das Kompetenznetzwerk. Und es ist wichtig, dass die ganze Medaille in einem Kompetenznetzwerk für das Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft vertreten ist. 

Vielen Dank für das Interview, liebe Susanna!

Mehr Infos über das Kompetenznetzwerk "Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft" sowie das Bundesprogramm findet ihr auf unserer Website!