Rassistische Diskriminierung: Wir brauchen flächendeckend Antidiskriminierungsbeauftragte an Schulen

Eine Debatte um eine Schule in Berlin zeigt: Wir haben ein strukturelles Rassismus-Problem, besonders im Bildungsbereich. So kann das nicht weitergehen.

In Berlin gibt es eine Debatte um fragwürdige Ereignisse an der Johanna-Eck-Schule. Beim Versuch, den Konflikt zu lösen, kam es auch zu rassistischen Vorfällen, unter anderem gegenüber Saraya Gomis, der Antidiskriminierungsbeauftragten für Schulen in Berlin. Die Schulleiterin, Mengü Özhan-Erhardt, und die Beauftragte werden seither von einigen Lehrkräften massiv angegriffen und ihre Glaubwürdigkeit wird in Frage gestellt.

Der Hintergrund: Den beiden Frauen wird erklärt, dass sie Äußerungen und Handlungen als rassistisch bezeichneten, die gar nicht rassistisch seien.

„Man könnte doch annehmen, dass eine Antidiskriminierungsbeauftragte weiß, wann Rassismus vorliegt und wann nicht. Aber hier findet ein Kampf um Deutungshoheit statt“, sagt ndo-Sprecher Dominik Wullers. „Umso wichtiger ist es, dass der Berliner Schulsenat sich weiterhin hinter die Beauftragte und die Schulleiterin stellt.“

Interessant ist auch, dass in manchen Medienberichten hervorgehoben wird, dass die Schule eine Plakette als „Schule ohne Rassismus“ hat, als wäre ein Rassismus-Vorfall dann nicht mehr möglich. Wer so argumentiert, hat das Phänomen nicht verstanden. Diskriminierung kann überall stattfinden. Verschiedene Studien belegen, dass viele People of Color und Schwarze Menschen Rassismus in der Schule erleben. Hinzu kommt ‚institutionelle Diskriminierung’, also Ungleichbehandlung in den Strukturen, Abläufen

oder im Unterricht. Schulkollegien müssen grundsätzlich bereit sein, darüber zu reden und offen und selbstkritisch mit Vorfällen umgehen.

„Gerade deswegen ist das Amt der Antidiskriminierungsbeauftragten für Schulen enorm wichtig“, betont Karim El-Helaifi, Mitbegründer des Vereins „Schülerpaten“ und Sprecher der neue deutsche organisationen. „Damit sich ähnliche Fälle nicht wiederholen, ist es äußerst wichtig, dass rassistische Angriffe nicht ohne Konsequenzen bleiben. Dafür brauchen wir dringend deutschlandweit Antidiskriminierungsbeauftragte und unabhängige Beschwerdestellen für den Schulsektor. Es kann nicht sein, dass

Betroffene sich nur innerhalb der eigenen Schule über rassistische und antisemitische Vorfälle beschweren können.“