Onlineveranstaltung 'Say their names - 1 Jahr nach Hanau'

Bei den rassistischen Anschlägen am 19. Februar 2020 in Hanau wurden neun Menschen ermordet.

Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi, Fatih Saraçoğlu

Mit unseren Gäst*innen wollen wir ein Jahr nach den Anschlägen der Verstorbenen gedenken, Fragen zum Thema Erinnerungskultur stellen, die Rolle von Medien und auch die Verantwortung von Staat und Politik in Bezug auf Rassismus und rassistische Gewalt diskutieren. Wir freuen uns besonders, dass wir mit Newroz Duman, Çetin Gültekin und Serpil Temiz Unvar in beiden Panels Gäst*innen der Initiative 19. Februar Hanau und der Bildungsinitiative Ferhat Unvar begrüßen dürfen.

Was: Digitalveranstaltung Say Their Names - 1 Jahr nach Hanau

Wann: 17. Februar 2021, 17-19.30 Uhr

Anmeldung unter: https://bit.ly/3tSvKu8

 

 


Gedenken:

Wir gedenken den 9 ermordeten Menschen und halten inne bei einer Lesung von 9 Texten und Gedichten aus dem Sammelband "Texte nach Hanau" von Stolzeaugen.books, der am 19.02.2021 mit einem Vorwort von Serpil Temiz Unvar veröffentlicht wird.

Gelesen von Esra Karakaya, Hamze Bytyci und Maruf-Sinan Kuzhan

Intro: Jamilah Bagdach u. Viviane Fatoumata Camara (Stolzeaugen.books)

Texte: Ich trauere von Laura Shirin; Eine Rede von Keça Filankes; Umut von Selin; 300km entfernt und doch so nah von Yohale Ahlert; Ins Leben springen von Esra Canpalat; Hanau von Limo; Baba von Darya Mohammad-Hadi; Himmelstrauer von Tamer Düzyol; Schule von A. Bahadori

Panel 1: Erinnern & Medien

Im ersten Panel geht es um Erinnerungskultur und politische Erinnerungsarbeit. Wir möchten diskutieren, welche Rolle und Verantwortung Medien in Bezug auf Erinnerungsarbeit haben und ob sie dieser im Fall Hanau gerecht geworden sind. Was muss sich ändern, damit Medien ihrer Verantwortung gerecht werden?

Moderation: Ferda Ataman

 

Panel 2: Staat & Politik

Im zweiten Panel geht es um die Rolle und Verantwortung von Staat und Politik in Bezug auf den Anschlag in Hanau und rassistische Anschläge im Allgemeinen. In diesem Zusammenhang werden konkrete politische Maßnahmen sowie die Bedeutung der politischen Bildung für den Kampf gegen Rassismus diskutiert.

Moderation: Fatima El Sayed

Unsere Gäst*innen

Esra Karakaya

Esra Karakaya ist Journalistin, Produzentin und Gründerin der Youtube-Talkshow KARAKAYA TALKS. Das Grimme-nominierte und Grimme-Online-ausgezeichnete Konzept kuratiert Themen von Pop bis Politik und lässt Expert*innen zu Wort kommen, die für Millennials of Color interessant sind. Mit viel Humor und Mut setzt KARAKAYA TALKS einen neuen Maßstab für eine respektvolle und empathische Diskussionskultur. Esra Karakaya wurde für ihre Arbeit mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als „30 unter 30“ vom Zeit Campus Verlag (2019), „30 unter 30“ von der Hertie-Stiftung im Rahmen der #generationgrenzenlos-Kampagne (2019) oder den 25 Frauen-Award von Edition F (2019).

Hamze Bytyçi

Hamze Bytyçi, geboren in Prizren, Kosovo, hat zahlreiche Bündnisse, Vereine und regelmäßige Veranstaltungen mitinitiiert, u. a. Amaro Drom e.V., die alljährlichen Gedenkveranstaltungen anlässlich des Gedenktags an den Genozid an Sinti*zze und Rom*nja am 2. August in Auschwitz und in Berlin, das Bündnis für Solidarität mit den Sinti*zze und Rom*nja Europas, die LinksKanax*, das Aktionsbündnis ABA, den ROMADAY am 8. April in Berlin, die Roma-Biennale und das Roma-Filmfestival AKE DIKHEA?. Seit 2012 ist er Vorsitzender von RomaTrial e. V.

Maruf-Sinan Kuzhan

Maruf-Sinan Kuzhan, 22 Jahre alt, ist in Hanau geboren und aufgewachsen. Unter den Opfern des rassistischen Anschlags in Hanau befanden sich einige seiner Freunde. Vor allem mit Ferhat Unvar war er sehr eng befreundet. Die Freundschaft begann damals in der weiterführenden Schule und auch nach der Schulzeit verbrachten die beiden viel Zeit miteinander. Maruf-Sinan studiert Politikwissenschaften. In seiner Freizeit engagiert er sich in der Bildungsinitiative Ferhat Unvar.

Stolzeaugen.books

Am 8. Mai 2020 wurde Stolzeaugen.books gegründet, die erste Verlagsgesellschaft von und für BiPoC. Am 19. Februar 2021 erscheint der Sammelband “Texte nach Hanau”, mit einem Vorwort von Serpil TemizUnvar. “Texte nach Hanau” bildet die Stimmen von 50 Menschen ab, die ihre Gefühle und Gedanken, Enttäuschungen und Erwartungen nach dem Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 zum Ausdruck bringen. Die 63 Texte sind ehrlich, schonungslos, zutiefst berührend. Wer sich darauf einlässt, wird der eigenen Trauer begegnen, soviel ist sicher. Bücher können bereits jetzt vorbestellt werden unter orders  stolzeaugenbooks.de
Stolzeaugen.books gUG besteht ausschließlich aus MIRE (Menschen mit Intersektionalitäts- und Rassismuserfahrungen). Die Verlagsgründerinnen Viviane Fatoumata Camara, Souzan AlSabah und Jamilah Bagdach sowie Oz/Özlem Sakalkesen, Wandi Wrede, Fatima Remli und Balizi Kashindi Wayloki arbeiten als Team Hand in Hand. www.stolzeaugen-books.de

Newroz Duman

Newroz Duman ist Mitbegründerin und Sprecherin der Initiative 19. Februar Hanau. Die Aktivistin und Traumapädagogin ist 2002 über das Mittelmeer nach Deutschland geflüchtet und lebt in Hanau. Sie setzt sich in verschiedenen bundesweiten Initiativen gegen Rassismus und für die Teilhabe und das Empowerment von Geflüchteten und Migrant*innen ein.

Çetin Gültekin

Çetin Gültekin verlor seinen Bruder Gökhan Gültekin bei dem rechtsextremistischen Anschlag in Hanau. Kurz danach verstarb auch sein Vater. Er kämpft seitdem für Gerechtigkeit und fordert, dass alle in den Fall Involvierten zur Verantwortung gezogen werden. Familie Gültekin stammt aus Agri im Osten der Türkei und lebt seit 1968 in Hanau.

Hadija Haruna-Oelker

Hadija Haruna-Oelker lebt und arbeitet als Autorin, Redakteurin und Moderatorin in Frankfurt am Main. Hauptsächlich arbeitet sie für den Hessischen Rundfunk – unter anderem für die Sendung „Der Tag" (hr2 Kultur). Zudem moderiert Sie das regelmäßige Format „StreitBar" in der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt und schreibt eine Kolumne für die Frankfurter Rundschau. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Jugend und Soziales, Migration und Rassismusforschung. Haruna-Oelker ist Mitherausgeberin des Sammelbandes „Spiegelblicke – Perspektiven Schwarzer Bewegung in Deutschland“.

Lydia Lierke

Lydia Lierke ist Politikwissenschaftlerin. Gemeinsam mit Massimo Perinelli ist sie Herausgeberin des Buchs „Erinnern stören- Der Mauerfall aus migrantischer und jüdischer Perspektive“ (2020). Sie ist Mitglied der “Initiative 6. April“ in Kassel und unterstützte 2017 das NSU-Tribunal in Köln. Derzeit forscht sie zum Thema Migrationspolitik in der DDR und ihren Einfluss auf (P)ostmigrantische Lebenswelten.

Armaghan Naghipour

Armaghan Naghipour ist Volljuristin. Sie hat ihre juristische Ausbildung in Heidelberg, Bangalore, Köln, Berlin und New York absolviert. Nachdem sie diese 2016 beendet hatte, spezialisierte sie sich als Rechtsanwältin auf das Migrationsrecht und gründete die Regionalgruppe Berlin von Anwältinnen Ohne Grenzen e.V. Seit letztem Jahr nimmt sie eine Pause vom Anwältinnendasein und arbeitet als Persönliche Referentin des Berliner Senators für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung. Armaghan ist stellvertretende Vorsitzende von DeutschPlus – Initiative für eine plurale Republik e.V. und Vorstandsmitglied der neuen deutschen organisationen.

Serpil Temiz Unvar

Serpil Temiz Unvar ist die Mutter von Ferhat Unvar. Der Tod ihres Sohnes hat vieles aufgewühlt und sie mit den früheren Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen konfrontiert. Unmittelbar nach dem rassistischen Anschlag von Hanau hat Serpil Temiz Unvar die Bildungsinitiative Ferhat Unvar ins Leben gerufen, welche ihre Arbeit offiziell am 14. November 2020 – dem Geburtstag Ferhat Unvars – aufnahm. Ziel der Initiative ist es, Rassismus an Schulen und in der Gesellschaft allgemein abzubauen und Kinder, Jugendliche und Mütter, die von Rassismus betroffen sind, zu empowern.

Dr. Yaşar Aydın

Dr. Yaşar Aydın, Soziologe und Volkswirtschaftler, ist seit August 2020 Referent im Fachbereich Extremismus der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB). Zuvor hat Aydın an der SWP – Stiftung Wissenschaft und Politik geforscht und von 2015 bis 2020 das Demokratie-leben-Projekt „Neue Wege – Prävention von Antisemitismus“ geleitet. Er lehrt zusätzlich an der Evangelischen Hochschule in Hamburg.