Das Kompetenznetzwerk stellt sich vor: Gegen Vergessen - Für Demokratie

Seit dem 1. Januar 2020 sind wir für die kommenden 5 Jahre als ndo Teil des Kompetenznetzwerks „Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft“ im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert durch das BMFSFJ. In Form von Kompetenzzentren und -netzwerken zu einzelnen Themenfeldern wird die Zusammenarbeit von zivilgesellschaftlichen Organisationen bundesweit gestärkt. Als Kompetenznetzwerk wollen wir das Zusammenleben in einer offenen Gesellschaft in Vielfalt durch die Entwicklung eines inklusiven Selbstverständnisses als Migrationsgesellschaft und Einwanderungsland fördern und gestalten.

Wir möchten euch die vier anderen Träger des Kompetenznetzwerks (TGD, BVRE, GVFD, SKS) vorstellen. Heute sprechen wir mit Dr. Michael Parak, Geschäftsführer von "Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V.":

Gemeinsam mit den ndo und drei weiteren Trägern ist euer Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ Teil des Kompetenznetzwerks „Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft“. Ziel dieses Netzwerks ist es, das Zusammenleben in einer offenen Gesellschaft in Vielfalt durch die Entwicklung eines inklusiven Selbstverständnisses als Migrationsgesellschaft und die Ermöglichung gleichberechtigter Teilhabe und Repräsentanz in der Migrationsgesellschaft zu fördern und zu gestalten.

Was kann „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ konkret in das Kompetenznetzwerk einbringen?

Wir beschäftigen uns seit längerer Zeit mit diesem Thema, haben zum Beispiel für die Bundeszentrale für politische Bildung schon vor acht Jahren Bildungsmaterialen zur „Praktischen Geschichtsvermittlung in der Migrationsgesellschaft“ erstellt. Viele unserer rund 2.200 Mitglieder setzen sich in ihren Wohnorten aktiv gegen Rechtsextremismus und für eine offene Gesellschaft ein. Bei unserer Arbeit legen wir Wert darauf, auch zu sagen, wofür wir sind, nicht nur wogegen. Deshalb lag unsere Beteiligung an diesem Kompetenznetzwerk nahe. Unser Verein, der 1993 aufgrund der rechtsextremen Anschläge in Mölln und anderen Orten gegründet wurde, ist noch immer stark geprägt von engagierten Menschen aus der sogenannten Mehrheitsgesellschaft. Diese Perspektive können wir in unser vielfältiges Netzwerk einbringen.

 

„Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.“  ist ein erfahrener Bildungsträger und verbindet historische Erinnerungsarbeit mit dem konkreten Einsatz der Demokratie. Inwiefern spielte das Thema Einwanderungsgeschichte bisher eine Rolle in eurer Arbeit? Welchen Zusammenhang seht ihr zwischen den Themen Einwanderungsgeschichte, NS-Vergangenheit und deutscher Wiedervereinigung und auf welche Weise werdet ihr diese Verknüpfung im Programm umsetzen?

Unser Schwerpunkt im Zusammenhang mit dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und den Vorgänger-Programmen lag in der Extremismusprävention, etwa mit unserer Online-Beratung gegen Rechtsextremismus und unserem ARGUTRAINING #WIeDER_SPRECHEN FÜR DEMOKRATIE, aber auch mit dem „Präventionsnetzwerk gegen religiös begründeten Extremismus“, das wir gemeinsam mit der Türkischen Gemeinde Deutschland aufgebaut haben. Aber wir plädieren seit langem auch für einen positiven Ansatz in der Demokratieförderung. Ein großes Thema, das wir maßgeblich gesetzt haben, ist die Vermittlung unserer Demokratiegeschichte. Da gehört die Geschichte der Einwanderung unbedingt dazu, denn sie verändert, prägt und modernisiert unsere Gesellschaft mit, obwohl das lange Zeit viele nicht wahrhaben wollten.

Wir beschäftigen uns darüber hinaus intensiv mit der deutschen Vergangenheit, mit den NS-Verbrechen und mit der DDR-Geschichte. Das Besondere ist, dass wir dies immer mit einem Blick auf die Gegenwart und die Zukunft tun. Für viele unserer Mitglieder ist dabei noch immer das „Nie wieder!“ ein großer Ansporn. Es ist uns völlig klar, dass wir eine Gesellschaft nur friedvoll gestalten können, wenn alle darin einen Platz finden können, die hier leben, und wenn alle die Chance erhalten und motiviert werden, sich einzubringen. Dafür wollen wir uns einsetzen.

Durch unsere Beschäftigung mit der DDR-Geschichte sind wir auch in den ostdeutschen Bundesländern gut vernetzt, in denen noch immer weniger Menschen mit Einwanderungsgeschichte leben. Wir haben uns viel mit den Prägungen und den Perspektiven der Menschen vor und nach der Deutschen Einheit beschäftigt, haben auch jetzt wieder spannende Fachgespräche dazu geführt. Wir möchten mit unseren Mitteln dazu beitragen, einen konstruktiven Dialog zu ermöglichen, der Konflikte aushält, aber auch Gemeinsames betont.

 

Ein Schwerpunkt im Kompetenznetzwerk „Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft“ ist die Repräsentanz in der Migrationsgesellschaft. Inwiefern spiegelt sich diese Repräsentanz innerhalb eurer Organisation wider? 

Wir haben viele Mitglieder, die sich schon seit mehr als 20 Jahren bei uns engagieren. Zu Beginn waren kaum Menschen mit Einwanderungsgeschichte dabei – ein Manko, das in vielen anderen Institutionen auch bestand. Zum Glück sehen wir bei Neueintritten in den vergangenen Jahren aber, dass die Mitgliedschaft diverser wird, die Projekte in der Geschäftsstelle und die Veranstaltungen unserer Regionalen Arbeitsgruppen sprechen mittlerweile breitere Zielgruppen an. Daran wollen und müssen wir unbedingt weiterarbeiten. Ich sehe die Chance des Kompetenznetzwerks im Zusammenwirken. Für jede Organisation allein genommen, ist keine wirklich repräsentativ. Zusammen können wir die Vielfalt der Gesellschaft besser abbilden: unterschiedliche parteiliche Präferenzen und Bildungsansätze, west- und ostdeutsche Hintergründe, das Geschlecht und Alter und auf unser gemeinsames Thema bezogen insbesondere auch die Herkunftsgeschichte.

 

Vielen Dank für das Gespräch! 

(Das Interview führte Türkiz Talay)

 

Mehr Infos findet ihr unter www.kn-zusammenleben.de oder hier auf unserer Website!